Als fpv anfing, hatten wir ja nicht(s) viel Auswahl.
Kameras wie die Runcam? Fehlanzeige! Foxeer und die HS1177 ist fast schon das erste Modell, was bis heute Bestand und eine Daseinsberechtigung hat. Tatsächlich waren die ersten fpv Kameras "Einparkhilfen" für den KFZ Bereich und wurden nur als Platine mit Sensor und Objektiv "irgendwie" im miniKwad befestigt. Dann kam FatShark mit seinen noch immer sehr bekannten fpv Brillen und irgendwie auch speziellen Kameras für miniKwads. Die Übertragung des Video (und Ton-) Signals erfolgt genauso analog wie unser TV Programm bis in die 90er, nur mit deutlich weniger Sendeleistung und geringerer Qualität.
Lange Zeit waren CCD Sensoren der Standard (ich finde sie nach wie vor sehr gut) und wurden bald von CMOS Sensoren abgelöst - aber noch immer war alles analog. CMOS ist günstiger zu produzieren, hat ein dynamischeres Bild und ist kleiner - sonst unterscheiden sich die Sensoren nicht.
Im August 2019 stellte DJI als erster das erste digitale fpv System für den Hobby Konsumenten vor, vorher hatte DJI bereits seine eigene Produktpalette seit Jahren mit digitalem Video versorgt. Nebenbei entwickelte FatShark HD-Zero und Caddx unter dem Namen Walksnail ebenfalls weitere digitale Systeme. FatShark konzentrierte sich ursprünglich auf eine digitale Übertragung der analogen Videosignale, mit Geschwindigkeit (Latency) als Hauptziel - während DJI Reichweite und Bildqualität im Fokus hat
FunFact: für mehr Reichweite gibt es den "focus mode", der das Zentrum des Bildes so lange wie möglich scharf abbildet, während die Ränder nur noch als Artefakte sichtbar sind. Diesen Begriff nutzen alle digitalen Systeme.
Caddx brachte als erster und einziger Fremdhersteller eine kleinere Version der DJI "airunit" namens Caddx VISTA auf den Markt - das hielt so lange an, bis Caddx sein eigenes System unter dem Label "Walksnail" auf den Markt brachte. Walksnail wird heute noch häufig genannt/gesagt, wenn es um das digitale fpv System von Caddx geht; tatsächlich ist aber WALKSNAIL AVATAR die korrekte Bezeichnung, Caddx dürfte es aber nicht stören, so lange es sich verkauft.
Während FatShark scheinbar wenig erfolgreich sein System anbietet, haben sie auch die Idee "analoges Video digital übertragen" verworfen und nutzen nun auch eine digitale Kamera, mit einer größeren Auflösung.
Während bei Caddx/Walksnail und DJI die Bildqualität und die möglichst unterbrechungsfreie Übertragung im Vordergrund steht, geht es bei HD-Zero um "low latency" und die Zielgruppe sind vorwiegend Racer. Daher ist die Reichweite nicht so groß und Unterbrechungen im Videosignal ähneln denen die man bereits von analog her kannte.
Was jetzt? Alles was neu ist ist toll. Alles was neu ist ist teuer. Alles was neu ist? FPV ist in erster Linie eine DIY Gemeinschaft, also gucken sich (Technik-)Enthusiasten um und versuchen eine neue DIY Lösung zum kommerziellen erhältlichen zu finden. Und natürlich finden sie neue Möglichkeiten: Kabellose Sicherheits- und Überwachungskameras.
Recherche Wie wird das Bild übertragen und was für ein System läuft im Hintergrund - embedded Linux natürlich. Und was macht man, wenn man weiß womit man es zu tun hat? Man recherchiert alle Chips der Kamera, versucht sich ins System einzuloggen, identifiziert die Anschlüsse und sucht sich eine günstige Lösung für Jedermann. Hier wird openIPC geboren.
openIPC und co ...und co? Ja, openIPC basiert oder nutzt wfb-ng, die gleiche Hardware kann aber auch eine andere, recht ähnliche Firmware nutzen, hier kommt "rubyFPV" als erstes System mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Der Entwickler steht scheinbar in einem kleinen Streit mit dem Entwickler von openIPC/wfb-ng. Und weil "rubyFPV" wohl schon seine Grenzen erreicht hat (stabil, reichweitenstark, benutzerfreundlich und einfach zu bedienen), hat Petru Sorga ein neues System "onyxFPV" ins Leben gerufen.
rubyFPV Da ich nicht diese schwer zu beziehenden reinen Kamera Platinen bei AliExpress bestellen konnte ohne quasi das doppelte zu zahlen, habe ich openIPC (wfb-ng) gar nicht zum laufen bekommen. Meine Hardware ist da etwas generischer: - raspberrz pi zero 2 w + PiCam v2 + RTL8812AU - radxa zero 3w + RTL8812AU Nachdem man alles zusammengebaut hat (Spannungsregler, ein paar Buttons, Lüfter) und die SD Karte mit dem rubyFPV System in die jeweiligen SBCs steckt und sie starten, erkennt rubyFPV automatisch ob das System eine "airunit" oder eine "ground station" ist. Und nach etwa 5 Minuten nach dem ersten booten, sollte man das Bild der Kamera auf dem Display oder in der Brille (DIY natürlich) sehen. Damit kann es quasi auch sofort losgehen mit fliegen - plug'n'play in DIY (nimm das Mario!).
...und noch mehr "und co." Die openIPC community erregte schon bald die Aufmerksamkeit der großen Hersteller, die auch mal etwas wagen. Eachine, EMAX, RunCam und andere arbeiten mit den Entwicklern zusammen und bringen fertige Systeme für openIPC auf den Markt. Und wenn man schon dabei ist, kann man ja auch seine eigene Forschungsabteilung mobilisieren und gucken, was man selbst machen kann.
So kommt es, dass neben den bereits erwähnten Systemen auch immer mehr digitale Systeme auf den Markt kommen: - openIPC (wfb-ng, rubyFPY, onyxFPV) - Edge T3 (kein Plan) - Ascent (neues von Walksnail) - ArtLynk (betafpv) - StartRC VT5 (kein Plan)
und was mache ich jetzt? Ich habe alles für rubyFPV/onyxFPV rumliegen, habe es auch funktionierend aufgebaut - mir fehlt nur noch das Gehäuse zum montieren an meiner Orqa fpv.one.
ABER: Digitales Video ist einfach nicht das Wahre für mich. Der Ausflug dahin und dem ganzen zu folgen ist spannend, aber werde ich es in meine miniKwads einbauen? Eher nicht. Wenn man bedenkt, was man für den Betrieb der Empfangseinheit alles braucht (was ich ja habe), braucht man auch mehr Strom, mehr Kabel, mehr alles - wenn ich fliegen gehe, dann mit drei Vollen Akkutypen: - miniKwad (3s oder 4s mit 500-850mAh) - Brille (2s 2.000mAh) - Fernsteuerung (18650mAh)
Das alles passt in eine kleine Umhängetasche und ich verheddere mich beim fliegen nicht in den Kabeln.
